
Das Programm
„
Erwachsen werden“ wurde 1984 in den USA unter dem Titel „Skills for Adolescence“ entwickelt und richtet sich an Schülerinnen und Schüler im Alter von 10 bis etwa 14/15 Jahren. Das Programm wurde bis heute in 14 Sprachen übersetzt und in mehr als 40 Ländern der Erde eingeführt. Seit 1986 wird es auch in europäischen Staaten (z.B. Belgien, Dänemark, Finnland, Italien, Island, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Schweden) mit großem Erfolg angewandt. Seit 1993, dem „Geburtsjahr“ von „Erwachsen werden“ in Deutschland, haben bei uns mehr als 30.000 Lehrerinnen und Lehrer an einem der ca. 1200 Einführungs- und Aufbauseminare (12/2004) teilgenommen.
Längst wissen Kolleginnen und Kollegen aller Schulformen, dass es nicht (mehr) genügt, sich im Unterricht auf die Vermittlung von Fachwissen zu beschränken. Lehrerinnen und Lehrer sind als Erzieher in einer Weise gefordert, auf die ihre Ausbildung kaum eingegangen ist. Punktuelle Aktivitäten und „Krisensitzungen“ mit der Klassenlehrerin bzw. dem Klassenlehrer reichen oft nicht aus, um die Schülerinnen und Schüler in ihren sozialen Kompetenzen und der Entwicklung ihrer Persönlichkeit nachhaltig zu fördern. „Erwachsen werden“ knüpft an vielen Lehrerinnen und Lehrern bereits bekannte Erfahrungen und Methoden (Interaktionsspiele, Visualisierung, Rollenspiele, Modelllernen...) an und verbindet diese mit Themen, die in der Pubertät im Vordergrund stehen.
Umsetzung am Rhein-Sieg-Gymnasium
Lehrer- und Schulkonferenz haben im Schuljahr 2006/2007 folgendes beschlossen:
Die zwei für Klasse 5 vorgesehenen Politikstunden werden gesplittet in je eine Stunde in Klasse 5 und 6, die jeweils von einem Mitglied des Klassenleitungsteams unterrichtet wird.In dieser Stunde werden in Klasse 5 verbindlich Inhalte des Lions Quest-Programms unterrichtet. In Klasse 6 werden je zur Hälfte Lions-Quest-Inhalte und Inhalte des Curriculums für das Fach Politik unterrichtet. Dies stellt insofern kein Problem dar als sich die Inhalte zu einem großen Teil überschneiden.
Inhalt
Jeder der sieben Teile von „Erwachsen werden“ ist einem besonderen Thema gewidmet.
1. Teil - Ich und meine (neue) Gruppe
Der erste Teil beschäftigt sich mit Fragen der eigenen Person: Wer bin ich? Wer sind die anderen? Wie gehen wir miteinander um? Welche Bedeutung hat die Gruppe und wie beeinflusst sie mich? Diese Themen schaffen die Grundlage für eine vertrauensvolle und konstruktive Lernatmosphäre und damit für die gemeinsame Arbeit mit den weiteren Teilen des Programms. Als Angebot sind Themen eingefügt, die helfen können, die begonnene bzw. bevorstehende Lebensphase der Pubertät besser zu verstehen und zu bewältigen.
2. Teil - Stärkung des Selbstvertrauens

Ein angemessenes realistisches Selbstvertrauen ist für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen von zentraler Bedeutung. Was ist eigentlich Selbstvertrauen? Worauf gründet sich mein Selbstvertrauen? Wie kann ich mein eigenes oder auch das Selbstvertrauen anderer stärken? Mit diesen Fragen beschäftigen sich die Themen des zweiten Teils. Sich der eigenen Fähigkeiten und Stärken bewusst werden, diese auch einzusetzen und dafür Anerkennung zu bekommen, fördert die Ausbildung eines gesunden Selbstvertrauens.
3. Teil - Mit Gefühlen umgehen
„Ich verstehe mich und meine Gefühle besser.“ Die Kinder und Jugendlichen werden in der Fähigkeit gefördert, eigene Gefühle wahr und ernst zu nehmen, sie zu akzeptieren, auszudrücken und als etwas zu begreifen, das ihnen bei der Entwicklung ihrer Persönlichkeit hilft. Ein wichtiges Thema in diesem Teil ist auch der Umgang mit belastenden Situationen.
4. Teil -Die Beziehungen zu meinen Freunden
„Ich tue etwas für meine Freundschaften.“ Wie kann man echte Freundschaften aufbauen, weiterentwickeln, verbessern? Welchen Einfluss hat die Clique? Wie hält man Gruppendruck stand? Wie kann man Meinungsverschiedenheiten oder Konflikte in einer Freundschaft konstruktiv lösen? Wie geht man mit Enttäuschungen, mit einem Verlust um?
5. Teil - Mein Zuhause
Wo ist mein Zuhause? Die Zusammensetzung der Familien und das Zusammenleben haben sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Welche Erwartungen und Wünsche haben Kinder und Jugendliche, was empfinden sie als enttäuschend oder konfliktträchtig? Dieser Teil regt an, die Beziehungen innerhalb des eigenen Zuhauses und in anderen Familien zu reflektieren und Schritte zur Verbesserung der Beziehungen oder zur Lösung von Konflikten zu probieren.
6. Teil - Es gibt Versuchungen: Entscheide dich
„Ich treffe meine Entscheidungen.“ In diesem Teil geht es um das Problem der Verantwortung eigener Entscheidungen u. a. zu den Themen Lebensstil, Umgang mit dem eigenen Körper, berufliche Zukunft. Hier werden auch Informationen über Suchtmittel und Fragen des Suchtverhaltens aufgegriffen: z.B. Wirkung von Tabak, Alkohol, illegalen Drogen, die Rolle der Werbung und der Medien, Vermeidung von Suchtverhalten.
7. Teil - Ich weiß, was ich will
„Ich weiß, was ich will.“ Kinder und Jugendliche haben viele Träume und Hoffnungen, was sie einmal in ihrem Leben erreichen möchten. Doch damit ihre Träume und Hoffnungen Realität werden können, müssen sie sich Ziele setzen und sich auf den Weg machen. Mit Überlegung, Anstrengung, Geduld und Selbstdisziplin lässt sich Vieles erreichen. Der letzte Teil von „Erwachsen werden“ vermittelt Hilfenzu diesem Weg.