
Der 13er Erdkunde LK und GK unter der Leitung von Herrn Wilmes besuchten am 9. Januar im Rahmen der Themenreihe „Strukturwandel im Ruhrgebiet“ das Welterbe der Zeche Zollverein in Essen. .Die Zeche Zollverein, Teil der Route der Industriekultur, verdeutlicht den Strukturwandel, der sich seit dem Ende der Kohleförderung und der Schwerindustrie im Ruhrgebiet vollzieht. Zollverein ist aufgrund der immensen Bedeutung zur Zeit der Kohle, der Größe der Anlage und der herausragenden Architektur von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden. 2010 stand Zollverein im Zentrum der Kulturhauptstadt "Ruhr.2010". In einer knapp zweistündigen Führung erhielten die Schülerinnen und Schüler Einblicke in die Förder- und Aufbereitungsanlage des Schachtes XII der Zeche und wurden mit dem Ablaufprozess und den Besonderheiten der Anlage vertraut gemacht. Schacht XII von Zollverein zeichnete sich durch die hohe Fördermenge von 12.000t Rohkohle pro Tag und die direkt angeschlossene Kohlenwäsche aus. Nicht nur die unvorstellbaren Fördermengen, auch der zusammenhängende Produktionsprozess beeindruckte.
Im Anschluss besuchten die Kurse die Kokerei Zollverein, welche bis zu ihrem Betriebsschluss 1993 als modernste Kokerei Europas galt. Auch dieser Bau ist Teil des Industriedenkmals und Welterbes.
Nach einem langen Tag, der mit einem Imagefilm des Ruhrgebiets im Ruhr Museum, welches im ehemaligen Kohlebunker des Schachtes XII gelegen ist und mit seiner Lage den Speicher der Historie des Ruhrgebiets symbolisiert, beendet wurde, machte sich der Hunger bemerkbar. Jahreszeitbedingt ließ sich jedoch leider weder auf dem Zollverein-Gelände, noch in der näheren Umgebung die (sogar im Imagefilm angepriesene) kulinarische Spezialität des Ruhrgebiets, die Currywurst, finden.
An dieser Stelle meine Kritik an unserer Exkursion:
Natürlich gehen wir davon aus, dass wir alle vorbereitet und mit großem Hinter-grundwissen nach Essen gefahren sind. Wem dieses aber nicht präsent war, der bekam schnell einen falschen Eindruck von Zollverein und insbesondere dem dort stattfindenden Strukturwandel. Was wir sahen war eine konservierte Vergangenheit. Ein Denkmal und ein Museum, noch dazu im Winter-schlaf. Kaum Besucher und wenig Leben, welches man eigentlich erwartet hätte. Dies ist - das kann ich aus eigener Erfahrung sagen - wohl Jahreszeit und auch Tages - bedingt. Wachen die Igel aus dem Winterschlaf auf, tut es auch Zollverein und an Wochenenden und Feiertagen lebt die Zeche noch mehr. Was uns also genutzt hat, kein Warten oder Anstehen, hat gleichzeitig unser Bild getrübt, weil die Lebendigkeit von Zollverein nicht erkennbar war. Somit war es schwer den stattfindenden Strukturwandel zu einem Kultur-, Wissens- und Museums-standort festzustellen.
Dazu kommt: Wir hatten meiner Meinung nach, eine sehr gute Führung, haben Ab-laufprozesse und Arbeitsbedingungen in der Zeche zu Kohlezeiten vermittelt bekommen, was jedoch fast völlig gefehlt hat, waren Details zur neuen Nutzung von Zollverein. Genannt wurden die Museen, in einem Nebensatz, dass Veranstaltungsräume vermietet werden. Auch der Film, von dem ich mir mehr Worte versprochen habe, konnte das nicht retten.
Der Besuch des Kokerei-Geländes hätte, wäre er nur 10 Minuten länger ausgefallen, diese Aufgabe übernehmen können: Hier haben sich in den Vergangenen Jahren einige Dienstleistungsunternehmen angesiedelt.Der Standort Zollverein beschäftigt in über 70 Unternehmen über 500 Mitarbeiter in der kulturellen, kreativen und designorientierten Branche (EWG, abgerufen 10.01.2012). Besonderer Schwerpunkt wird dabei auf Zollverein als Kreativ- und Designstandort gelegt. Und mit dem, was vorhanden ist, hätte gleichzeitig das Scheitern der geplanten „designstadtZollverein“ dargestellt werden können. Denn so rosig die Firmenschilder an der Einfahrt zum Kokereigelände aussehen und die große Zahl an angesiedelten Unternehmen klingt, so weit entfernt sind diese Bilder doch von den ursprünglichen Plänen für diese Designstadt. Die größten Unternehmen der Designbranche sind das „red dot design“ Museum (schon wieder ein Museum) und die Fakultät Gestaltung der Folkwang Universität, die zwar schön aussieht, aber mit 30 Studenten „kaum ausgelastet“ ist (WELT Online vom 8.06.2008, abgerufen 10.01.2012). Doch um dieses Scheitern zu erkennen fehlt uns der Einblick in den Bestand und die ursprünglichen Pläne, was angesichts unseres Oberthemas interessant gewesen wäre und man, wenn man schon mal da ist, auch hätte mitnehmen können.
von Felix Obermaier